Zurück zu News
 
× Startseite

Einstellungen | Mein Account
IKZ select Logo
Suchen          Support & Kontakt       Mein Account
IKZ select Logo

Lieber Gast, um alle Inhalte sehen zu können, müssen Sie angemeldet sein! Jetzt registrieren oder einloggen.

StartseiteWissenNewsPikante Sache

Pikante Sache



Pikante SacheBild: Pixabay
Bild: Pixabay 
Bild: Stallmann, UBA 
Bild: UBA 
Bild: Schräder 

3. Juni 2022

Das Umweltbundesamt rät zum Verzicht auf das Heizen mit Holz

Es mag schon etwas sonderbar anmuten, wenn eine untergeordnete Regierungsbehörde eine Meinung öffentlich vertritt, die der Linie der Bundesregierung diametral entgegensteht. In diesem Fall war es das Umweltbundesamt (UBA), das mit Hinweis auf das Thema Feinstaub vom Heizen mit Holz abrät.

Das UBA riet Anfang Februar dieses Jahres bei der Vorstellung der Zahlen zur Luftqualität in Deutschland 2021 öffentlich vom Heizen mit Holz ab. Für das UBA liegt der Grund für diese Empfehlung im Feinstaub, der bei der Verbrennung von Holz entsteht und der die Luft belastet.

Besonders in den Ballungsräumen ist der Straßenverkehr die Hauptquelle von Feinstaub – die Einführung der Umweltplakette in Kombination mit den Umweltzonen ist in diesem Kontext zu sehen – aber eben auch Feuerungen rücken ins Visier, in denen feste Brennstoffe verheizt werden. Kohle spielt dabei im Hausbrand kaum noch eine Rolle, aber das Heizen mit Holz gewinnt seit Jahren deutlich an Beliebtheit zu.

Es ist dabei nicht von der Hand zu weisen, dass es viele (insbesondere alte) Holzfeuerungen und Öfen gibt, die zu Recht als Feinstaubschleudern bezeichnet werden können. Für diese Anlagen hat der Gesetzgeber aber über die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV) quasi indirekt geregelt, dass sie sukzessive stillgelegt werden, weil sie ab einem bestimmten Stichtag dann bestimmte Grenzwerte beim Staub und Kohlenmonoxid für einen Weiterbetrieb einhalten müssen, was viele dann aber nicht mehr können. Für alle neu installierten Anlagen ab 4 kW Nennwärmeleistung gelten die Grenzwerte der 1. BImSchV sowieso. Selbst die meisten Kaminöfen, die es in Baumärkten wie z. B. Obi zu kaufen gibt, liegen in der Leistung (teilweise deutlich) darüber.

Schuss in den Ofen
Die UBA-Empfehlung war auch deshalb ein Schuss in den Ofen, weil sie das Gegenteil von dem darstellt, was über die Förderpolitik der Bundesregierung kommuniziert wird: Dass die Wärmeversorgung von Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden auf Erneuerbare Energien umgestellt werden soll, wozu ausdrücklich auch das Heizen mit Holz zählt, ja dies sogar gewünscht wird. So wird z. B. ein Hausbesitzer, der seine alte Ölheizung gegen eine Pelletheizung tauscht, über die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) kostenanteilig zu 45 Prozent bezuschusst – inklusive Installation. Diese und alle anderen Konditionen wurden noch geschaffen unter der Großen Koalition (die BEG-Förderung wurde Anfang Januar 2021 eingeführt) und die neue Ampel-Koalition hat nicht die Absicht gezeigt, hieran Wesentliches zu ändern. Vielmehr wird das Heizen mit Holz weiter an Bedeutung gewinnen, denn die Ampel hat in ihrem Koalitionsvertrag außerdem festgehalten, dass in Neubauten ab 1. 1. 2025 eine 65-Prozent-Anteilsvorgabe für Erneuerbare Energien bei der Wärmeversorgung gelten soll. Das ist nebenbei praktisch das Aus für die Gasheizung im Neubau – aber bedeutet auch nicht das Monopol für die Wärmepumpe. Denn Holz-Zentralheizungen in welcher Form auch immer kämen ja bequem auf 100 Prozent.

DUH im Hintergrund
Was die Sache zudem pikant macht ist der Umstand, dass es seit Anfang dieses Jahres erstmalig einen Blauen Engel für Staubabscheider gibt (Kennung: DE-UZ 222). Dieser ist in allen Belangen (technisch, wirtschaftlich) von denkbar größter Reichweite, da er insbesondere auf den Ofen-Bestand fokussiert, Kamin- und andere Scheitholzöfen mit Staubabscheidern nachzurüsten. Entwickelt wurde das Zeichen auf Initiative der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die DUH ist seit Jahren dafür bekannt, dass sie Kaminöfen und Holzfeuerungen als maßgeblich für Feinstaub in der Luft und daraus resultierender Todesfälle in Deutschland brandmarkt. In ihrem Feldzug gegen Holzfeuerungsanlagen hat sie nun gemeinsam mit dem UBA ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das Umweltbundesamt nimmt in der Kette des Entstehens eines neuen Blauen Engels die Neuanträge entgegen. Nach Prüfung und positiver Bewertung legt sie im nächsten Schritt der Jury Umweltzeichen zur Entscheidung vor. Im Fall des neuen Zeichens Staubabscheider für Scheitholz-Einzelraumfeuerungen war also die Initiatorin die DUH.

Was Feinstaub ist
Feinstäube sind Partikel mit einem Durchmesser kleiner 10 Mikrometer (ein hundertstel Millimeter). Sie werden zum Beispiel bei der Verbrennung von Öl, Gas oder Holz freigesetzt. Es ist erwiesen, dass Feinstaub gesundheitsschädlich ist. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub beziehen sich vor allem auf die Atemwege und das Herz-Kreislaufsystem. Feinstaub kann auch Krebs auslösen und je kleiner die Teilchen sind, desto leichter gelingt ihnen der Eintritt in den Körper. Die Forschung unterteilt den Feinstaub in drei Größenklassen. Es gibt die Klassen PM0,1 (Ultrafeinstaub), die Feinstaubklasse PM2,5 und die Klasse PM10. PM steht für engl. „Particulate Matter“, was übersetzt „Feinstaub“ oder „Schwebstaub“ heißt. Die Zahlen hinter PM geben die Obergrenze der Durchmesser der Teilchen in der so bezeichneten Klasse an.

Blick in den Markt
Die am Markt angebotenen technischen Lösungen zur Emissionsminderung für Holzfeuerungen im Ein- und Zweifamilienhausbereich basieren aktuell im Wesentlichen auf dem elektrostatischen Prinzip der Feinstaubpartikelabscheidung.

Bei diesem Prinzip werden die im Rauchgas befindlichen Partikel durch eine Hochspannungselektrode aufgeladen. Sie beginnen sich zu agglomerieren, verdichten sich und lagern sich an der Innenseite des Rauchrohrs bzw. des Schornsteins ab. Die Abreinigung des Grobstaubs und der Rußflocken erfolgt – je nach Anforderung und Leistungsklasse – durch den Bezirksschornsteinfeger oder vollautomatisiert mit Wasser oder mechanisch durch Vibration. Die Abscheideraten bewegen sich zwischen 60 und 90 Prozent. Diese Technik ist seit vielen Jahren für Holzkessel etabliert, auch als Nachrüstprodukt. Es gibt unterschiedliche Lösungen zur Installation entlang der Strecke vom Abgasstutzen bis zur Mündung. Je nach Situation vor Ort Varianten für die Verbindungsleitung, für den Dachboden oder mündungsbasierte Alternativen. Die Abscheider decken Leistungen bis zu 50 kW ab. Dabei kann die Brennstoffzufuhr per Hand sowie automatisch erfolgen. Der Trend in der Weiterentwicklung der Kaminofentechnik wird sein, dass Abscheider zum Standard werden und es sie als bereits im Gerät integrierte Lösungen gibt.

Pro und Contra
Die Branche ist beim Blauen Engel grundsätzlich gespalten: Die einen sehen in dem Zeichen ein sichtbares Argument, dass das Heizen mit Holz sehr sauber sein kann, die anderen sehen darin – neben großer Kritik am Zertifizierungsverfahren, weil nicht validierbar – die Gefahr, dass sich hier eine Entwicklung in Gang setzt, die verstellt, wie weit die Technik bereits heute ist und die auch dazu führen könnte, dass Einzelraumfeuerungsstätten schlichtweg zu teuer würden.

Denn aus der Feinstaubfilter-Branche ist jedenfalls zu hören, dass die Entwicklung von Abscheidern für Einzelraumfeuerungsstätten zum Nachrüsten noch lange nicht abgeschlossen ist. Der zweite Punkt ist, dass selbst wenn es diese Technik marktreif gäbe, sie dann derzeit noch unverhältnismäßig teuer wäre – es zudem die aberwitzige Situation gibt, dass es die BAFA-Förderung zur Nachrüstung eines Partikelabscheiders seit 2020 nicht mehr gibt. Diese entsprach zwar bei weitem nicht den Kosten, doch sie bot immerhin einen gewissen Anreiz. Die Förderpolitik lief also, so betrachtet, in die vollkommen entgegengesetzte Richtung. Offenbar hat auch die DUH darin ein gewisses Einsehen: „Damit die Technologie erschwinglicher für Verbraucherinnen und Verbraucher wird, spricht sich die DUH für ein zeitlich befristetes staatliches Förderprogramm für Staubabscheider mit Blauem Engel aus“, schreibt sie in einer Mitteilung zum neuen Staubabscheider-Umweltzeichen. Die aber ist nicht in Sicht und außerdem auch die Technik noch nicht.

Es ist folglich nicht ganz von der Hand zu weisen, dass hier vorgeblich Innovation gefördert werden soll, aber eigentlich Holzfeuerungen das Leben auf diesem Weg schwer(er) gemacht wird, weil Interessierte sie nicht mehr wollen.

Autor: Dittmar Koop, Journalist für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Zum E-Paper




Verwandte Artikel



Wärmeerzeuger für BiomasseBild: Paradigma

Wärmeerzeuger für Biomasse 26. Februar 2024

GEG-konformes Heizen mit Energieträgern aus der Natur Das Gebäudeenergiegesetz formuliert in § 71 die grundlegenden Anforderungen an Heizungsanlagen. Im Kern geht...
Weiterlesen

UBA-Schrift: Warmwasserbereitung mit WärmepumpenBild: UBA

UBA-Schrift: Warmwasserbereitung mit Wärmepumpen 8. Mai 2024

Das Umweltbundesamt vergleicht und bewertet in einem 19-seitigen Papier unterschiedliche Konzepte Wird zur Beheizung eines Gebäudes eine Wärmepumpe eingesetzt, stellt...
Weiterlesen

UBA-Info zur Rohrinnensanierung

UBA-Info zur Rohrinnensanierung 14. Februar 2022

Das Umweltbundesamt informiert zu Beschichtungen mit organischen Reaktivharzen in häuslichen Trinkwasserleitungen. Die Innenbeschichtung von Trinkwasserrohrleitungen mit Epoxidharz als Sanierungsverfahren in...
Weiterlesen

60°C müssen es mindestens sein

60°C müssen es mindestens sein 26. April 2021

Das Umweltbundesamt äußert sich in einer aktuellen Mitteilung zu Mindesttemperaturen von erwärmtem Trinkwasser in Großanlagen Die zunehmende Verbreitung von Wärmepumpen...
Weiterlesen

Paradigma: Effizienz rauf, Feinstaub runterBild: Paradigma

Paradigma: Effizienz rauf, Feinstaub runter 31. Mai 2023

Vor allem bei der Verbrennung von flüssigen und festen Energieträgern wie Öl und Holz entsteht Feinstaub. Um gesundheitliche Auswirkungen zu...
Weiterlesen

#28: Staatlicher Förderzuschuss für Durchlauferhitzer +++ Weniger Feinstaub in BiomasseheizungenBild: Jürgen Fälchle

#28: Staatlicher Förderzuschuss für Durchlauferhitzer +++ Weniger Feinstaub in Biomasseheizungen 12. November 2021

Endlich den alten Durchlauferhitzer umrüsten: nie war der Zeitpunkt besser. Denn noch bis Ende 2021 bekommt man dafür Geld vom...
Zum Podcast

Klarstellung bei Legionellen-Untersuchungen

Klarstellung bei Legionellen-Untersuchungen 29. August 2019

Das Umweltbundesamt definiert in einer offiziellen Empfehlung, was unter einer „systemischen Legionellen-Untersuchungen“ gemäß TrinkwV zu verstehen ist Die Untersuchung von...
Weiterlesen

Temperaturhaltung beachten, Wasseraustausch sicherstellen

Temperaturhaltung beachten, Wasseraustausch sicherstellen

Hygienerelevante Anforderungen an Trinkwasser-Installationen haben stets Priorität vor wirtschaftlichen Interessen
Weiterlesen

Trinkwasser-Zirkulation in Ein- und ZweifamilienhäusernL. Wiesemann

Trinkwasser-Zirkulation in Ein- und Zweifamilienhäusern 7. Mai 2024

Ihr Einfluss auf die Anlageneffizienz wird vielfach unterschätzt – Beispiele aus der Praxis, und wie’s richtig gemacht wird Auf Schwerkraft...
Weiterlesen

Membranen, Kalkschutzgeräte und Filtermedien in Trinkwasserinstallationen: Umweltbundesamt verlängert AusnahmeregelungBild: AdobeStock-sdecoret

Membranen, Kalkschutzgeräte und Filtermedien in Trinkwasserinstallationen: Umweltbundesamt verlängert Ausnahmeregelung 8. Februar 2024

Köln. Das Umweltbundesamt hat die Ausnahmeregelung für die Verwendung von Membranen, Kalkschutzgeräten und Filtermedien in Trinkwasserinstallationen bis zum 1. Januar 2031...
Weiterlesen


Diesen Artikel teilen auf:   Facebook X XING



Ausgewählte Inhalte



Leistungsgarantie



Datensicherheit

×