Lieber Gast, um alle Inhalte sehen zu können, müssen Sie angemeldet sein! Jetzt registrieren oder einloggen.
StartseiteThemenSanitärIntelligent vernetztes Wassermanagement
Gebr. Kemper19. Juni 2026
Die Energiewende macht auch vor der Gebäudetechnik nicht halt. Während Photovoltaik, Wärmepumpen und Elektromobilität längst feste Bestandteile einer nachhaltigen Energieinfrastruktur sind, rückt das Trinkwassermanagement zunehmend in den Fokus sektorenübergreifender Betrachtungen. Moderne Systeme gehen dabei weit über den reinen Erhalt der Wassergüte hinaus, da sie sich aktiv in Energie- und Lastmanagementstrategien einbinden lassen und so zur Effizienz und Nachhaltigkeit von Gebäuden beitragen.
Die Sicherstellung einer konstant hohen Trinkwasserqualität im Gebäude gehört zu den zentralen Herausforderungen für Planer, Installateure und Betreiber. Einerseits sollen Wasser und Energie eingespart werden, andererseits müssen die gesetzlichen Anforderungen zuverlässig erfüllt sein. Aufgrund der zunehmenden Vernetzung von Energie- und Gebäudesystemen gewinnen intelligente Sanitärlösungen daher deutlich an Bedeutung.
Winfried Hackl, Geschäft sführer des Deutschen Fachverbands für Luft – und Wasserhygiene (DFLW), erklärt: „Für den bestimmungsgemäßen Betrieb einer Trinkwasserinstallation ist ein regelmäßiger Wasseraustausch unerlässlich. Schon eine Nichtnutzung von mehr als 72 Stunden führt zu Stagnation und fördert das Wachstum von Biofilmen an den wasserbenetzten Innenflächen. Gerade wenn es um gesundheitsgefährdende Keime wie Legionella spec. oder Pseudomonas aeruginosa geht, ist besondere Vorsicht geboten.“
Längere Unterbrechungen in der Wassernutzung, also Zeiten, in denen Wasser über mehrere Tage oder Wochen kaum oder gar nicht fließt, gelten als „nicht bestimmungsgemäßer Betrieb“. In dieser Phase kann die Wasserqualität stark beeinträchtigt werden, da sich Mikroorganismen wie Legionellen oder andere Bakterien ungehindert vermehren. Zudem können auch Schwermetalle die Trinkwasserqualität erheblich belasten, die vor allem über alte Leitungen oder korrodierende Rohrmaterialien in die Wasserversorgung gelangen. Bereits geringe Mengen von Metallen wie Blei, Kupfer, Nickel oder Chrom können gesundheitliche Probleme verursachen. „Solche Risiken sollten unbedingt vermieden werden. Schließlich gilt: Gesundheitsschutz geht vor Energieeffizienz“, betont Hackl.
Die Trinkwasserverordnung 2023 trägt den spezifischen Anforderungen mit strengeren Grenzwerten und erweiterten Kontrollpflichten Rechnung. Neben dem schrittweisen Austausch veralteter Leitungen sind regelmäßige Kontrollen zentrale Maßnahmen, um die gesetzlichen Vorgaben für die Wasserqualität sicherzustellen und die Gesundheit der Verbraucher zu schützen.
Moderne Technologien für das Wassermanagement gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen es, Trinkwasserinstallationen in Gebäuden hygienisch sicher, energieeffizient und ressourcenschonend zu betreiben. Intelligente Steuerungssysteme erfassen dazu Temperatur-, Durchfluss- und Nutzungsdaten in Echtzeit und führen Spülungen ausschließlich bei tatsächlichem Bedarf durch. So unterstützen automatisierte Hygienespülungen und digitale Steuerungen die Betreiber zuverlässig bei der Einhaltung relevanter Normen wie DIN EN 806-5, Richtlinien wie VDI 6023 Blatt 1 sowie Regelwerken wie dem DVGW-Arbeitsblatt W 551 (A) und der DIN 1988-200.
Als vernetztes System erleichtern diese Trinkwasserinstallationen zudem die automatisierte Dokumentation von Temperatur- und Spülprotokollen und somit die Nachweisführung gegenüber den gesetzlichen Vorgaben, darunter die der Trinkwasserverordnung und des Gebäudeenergiegesetzes.
Wie sich vernetzte Wassermanagementlösungen in der Praxis umsetzen lassen, zeigen verschiedene Hersteller mit ihren Systemkonzepten. Geberit etwa automatisiert mit „Geberit Connect“ den Trinkwasseraustausch und ermöglicht so einen hygienisch sicheren sowie energieeffizienten Betrieb. Thomas Wegner, Produktmanager Rohrleitungssysteme bei der Geberit Vertriebs GmbH, erläutert: „Die Vernetzung erlaubt einen optimierten Trinkwasserwechsel und stellt dadurch den bestimmungsgemäßen Betrieb einer Trinkwasserinstallation sicher. Dabei können verschiedene Sanitärapparate eingebunden werden, weshalb nicht immer eine separate Spüleinheit erforderlich ist.“
Digitale, vernetzte Sanitärprodukte reduzieren den Aufwand für Reinigung, Wartung und manuelle Spülauslösungen erheblich. Außerdem lassen sich alle Daten zu Nutzung, Spülvorgängen, Temperaturen und Batterieständen zentral erfassen und auswerten. Dank der damit gewonnenen Transparenz können Reinigungs- und Wartungsintervalle gezielt optimiert, der Energieverbrauch gesenkt und die Betriebssicherheit erhöht werden.
Die Plattform „Geberit Connect“ ermöglicht so den Übergang von dezentraler Armaturensteuerung zu einem zentralen Management von Sanitärräumen. Herzstück ist das Gateway, das als zentrale Schnittstelle zwischen allen Endgeräten und der Gebäudeautomation fungiert. Störungen werden zentral angezeigt, und der Betreiber erhält im Fehlerfall sofort eine Benachrichtigung. Ergänzt durch Konverter für Stromversorgung und Kommunikation sowie standardisierte Schnittstellen wie BAC-net/IP, gewährleistet das System eine herstellerunabhängige Integration in die Gebäudeautomation.
Besonders herausfordernd ist die Sicherstellung eines bestimmungsgemäßen Trinkwasserbetriebs in Gebäuden mit unregelmäßiger Nutzung wie Schulen, Hotels oder Büroimmobilien. Daher haben vernetzte Wassermanagementlösungen in den letzten rund 10 Jahren auch hier an Bedeutung gewonnen. So reduziert das Schell Wassermanagement-System „SWS“ hygienische Risiken, indem es alle elektronischen Armaturen und Spülkästen vernetzt, automatisierte Spülungen zeit-, temperatur- oder intervallgesteuert durchführt und durch Gruppenbildung mehrerer Armaturen eine vollständige turbulente Durchströmung auch bei der am größten dimensionierten Verteilleitungen sicherstellt. Temperaturfühler ermöglichen zudem die Überwachung von Sollwerten für Kalt- und Warmwasser. Dadurch werden Spülungen automa-tisch ausgelöst, bevor gesundheitsgefährdende Keime oder Schwermetalle kriti-sche Werte erreichen, und enden, sobald Zieltemperaturen erlangt wurden.
Zudem verhindert eine integrierba-re Leckageschutz-Armatur bei Rohrbrü-chen größere Wasserschäden. Über eine Kalenderfunktion können planbare Nut-zungs- und Schließzeiten hinterlegt werden. Während der Schließzeiten sperrt die Armatur die Wasserzufuhr zentral für das gesamte Gebäude oder einzelne Teilbe-reiche ab. Bei Stagnationsspülungen, für die nur wenig Wasser benötigt wird, öffnet und schließt sich die Leckageschutz-Armatur automatisch. So wird nicht nur der Erhalt der Trinkwasserhygiene unterstützt, sondern auch die Sicherheit der Gebäudetechnik erhöht.
Gleichzeitig ermöglicht der Online-Service „SMART.SWS“ die ortsunabhän-gige Überwachung, Dokumentation und Steuerung aller vernetzten Armaturen und Sensoren über mehrere Liegenschaften hinweg. So können sich die Fachleute vom Schreibtisch aus einen Überblick über die Trinkwasserinstallationen aller vernetzten Gebäude verschaffen und Betriebsdaten wie Temperaturen, Spülvorgänge, Wassermengen und Batteriestände kontrollieren. Dies dient dem zielgerichteten Einsatz von Fachkräften beispielsweise bei möglichen Störungen bei der Trinkwassererwärmung. „SWS“ lässt sich zudem über Gateways in fast alle Systeme der übergeordneten Gebäudeleittechnik (GLT) integrieren.
„Das Thema Wassersparen darf nicht zulasten der Trinkwasserhygiene und damit der Gesundheit der Menschen gehen. Diese hat immer oberste Priorität. Für Planer und Gebäudebetreiber besteht die Herausforderung somit darin, den Grundsatz ‚Wasser muss fließen‘ mit dem Gebot ‚Wasser sparen‘ in Einklang zu bringen. Dies gelingt nur mit Hilfe von elektronischen Systemen optimal“, betont Dr. Peter Arens, Hygieneexperte bei Schell.
Aufbauend auf dem Ansatz nachhaltiger Infrastruktur treibt auch Kemper die Digitalisierung der Trinkwassertechnik konsequent voran. Das Unternehmen erfasst Betriebsdaten, wertet diese für Betreiber aus und stellt handlungsrelevante Informationen über Trinkwasserhygiene, Energieeffizienz und Wartung bereit, die weit über die reinen Rohdaten hinausgehen. Dadurch entwickelt sich Kemper vom klassischen Produkthersteller zum aktiven Servicepartner für einen hygienischen und energieeffizienten Betrieb von Trinkwasseranlagen. „Durch die Digitalisierung unserer Produkte über eine Cloudlösung können wir dem Betreiber aufbereitete Informationen mit einem direkten Mehrwert für den sicheren und effizienten Betrieb seiner Trinkwasserinstallation zur Verfügung stellen“, erklärt Jan Rübsamen, Produktmanager bei der Gebr. Kemper GmbH + Co. KG. Sämtliche vernetzbaren Produkte werden über den „PRO WaterManager“ verbunden, der rund um die Uhr Betriebsdaten sammelt und an die Kemper-Cloud sendet, wo sie analysiert und visualisiert werden. Über lokale Schnittstellen können diese Daten auch via Modbus TCP/IP oder BAC-net IP an eine übergeordnete Gebäudeleittechnik weitergegeben werden. Künftig werden alle vernetzbaren Produkte mit dem Zusatz „PRO“ gekennzeichnet, um ihre intelligente Vernetzbarkeit zu verdeutlichen.
Die Cloudlösung ermöglicht zudem den direkten Zugriffauf Produktwissen, Systemdaten und Servicedienste. Dadurch verringern sich Planungs- und Programmieraufwand und die Trinkwasseranlage kann optimal in das Gesamtsystem eines modernen, nachhaltigen Gebäudes eingebunden werden.
Viega verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei der Trinkwasserhygiene und die Energieeffizienz digital miteinander verknüpft werden. Das vernetzbare Trinkwassermanagementsystem kommuniziert über offene Schnittstellen wie BAC-net mit der lokalen Gebäudeleittechnik und stellt alle relevanten Betriebsdaten zur Verfügung. Es steuert die Trinkwassererwärmung, die Trinkwasserzirkulation und führt den geforderten Wasseraustausch im System durch. Elektronische Zirkulationsregulierventile stellen die präzise Temperaturregelung in jedem Strang sicher und liefern Echtzeitdaten an die zentrale Steuerung.
Die zunehmende Vernetzung moderner Gebäudesysteme macht eine abgestimmte Schnittstellenintegration zwischen Sanitär, Gebäudeautomation, Elektrotechnik und IT unverzichtbar. Intelligenter hydraulischer Abgleich, adaptive Spülstrategien und der Verzicht auf Speicherinhalte senken den Energieverbrauch deutlich, während Spülungen nur bei tatsächlichem Bedarf erfolgen. So lassen sich Wasser- und Wärmeverluste minimieren, ohne die Trinkwassergüte zu beeinträchtigen.
„Der Digitalisierungsspezialist Wibutler bietet außerdem eine smarte Lösung für Gebäude ohne zentrale Gebäudeleittechnik“, erklärt Jan Rübsamen von Kemper. Hiermit lassen sich alle Geräte verschiedener Hersteller in einer einheitlichen Benutzeroberfläche steuern, Daten zentral auswerten und so eine herstellerübergreifende Gesamtsicht auf das Gebäude gewinnen. Zusätzlich erleichtern Funktionen wie Liegenschafts- und Gebäudemanagement, Mitteilungsmanagement sowie umfassendes Monitoring den Betrieb deutlich.
Dank der Kombination aus intelligenter Vernetzung, datenbasierter Steuerung und offener Schnittstellenarchitektur werden Trinkwassersysteme zu einem integralen Bestandteil nachhaltiger Gebäudetechnik. Wasserqualität, Energieeffizienz und Betriebssicherheit lassen sich somit gleichzeitig optimieren. Vernetzte Wassermanagementsysteme ermöglichen dabei nicht nur bedarfsgerechte Spülungen und präzise Temperaturkontrolle. Vielmehr schaffen sie auch die Grundlage für innovative Dienstleistungen, smarte Gebäudekonzepte und eine nahtlose Integration in übergeordnete Energie- und Lastmanagementstrategien.
Zudem zeichnen sich in der Gebäudetechnik zwei zentrale Entwicklungen ab: Einerseits steigen die Anforderungen an Energieeffizienz, Trinkwasserhygiene und Nachhaltigkeit stetig, andererseits verschärft der Fachkräftemangel die Situation deutlich. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft werden bis 2036 altersbedingt rund 19,5 Mio. Beschäftigte ausscheiden, während nur etwa 12,5 Mio. nachrücken – ein Rückgang um rund 36 %. Für die TGA-Branche bedeutet das, komplexere Systeme mit immer weniger Personal betreiben zu müssen. Digitalisierung schafft indessen die Grundlage, Trinkwasseranlagen nahtlos in nachhaltige, vernetzte Gebäudetechnik einzubinden.
Autorin: Carola Tesche
Verwandte Artikel
Temperaturhaltung beachten, Wasseraustausch sicherstellen
Hygienetipps für die Trinkwasser-Installation 28. September 2020
Wassersparen und Trinkwasserhygiene sind kein Widerspruch 16. November 2023
Weitreichende Veränderung für die Praxis 10. September 2021
Bedarfsabhängiges Spülen der Trinkwasser-Installation 29. August 2022
Bei Hygienemängeln kein Bestandsschutz 11. Juli 2023
Fehlinterpretationen vorbeugen
Unzulässige Erwärmung von Kaltwasserleitungen vermeiden 21. Oktober 2025
Gefährdungsbeurteilung zukünftig auch für Gebäudeinstallationen 9. November 2022
Reinigen, desinfizieren, austauschen 29. Juli 2021
Ausgewählte Inhalte
Leistungsgarantie
Datensicherheit