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„Wir können Wärmepumpen“



„Wir können Wärmepumpen“
 
 
 
 

Interview mit dem SHK-Fachbetrieb Oeltjen Haustechnik

Oliver Oeltjen, Inhaber des 2014 gegründeten Fachbetriebs Oeltjen Haustechnik in Rastede, setzt mit seinen insgesamt neun Mitarbeitern, darunter zwei Azubis, beim Austausch von Wärmeerzeugern regelmäßig auf die Wärmepumpen-Technik. Er sagt: „Beim Einsatz von Wärmepumpen im Bestand muss der Fachbetrieb seine Hausaufgaben machen.“ Welche das sind, das erfuhr IKZ-Chefredakteur Markus Sironi im Interview mit dem SHK-Handwerksmeister.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie häufig installieren Sie Wärmepumpen – insbesondere im Baubestand als Ersatz für einen veralteten Wärmeerzeuger?

Oliver Oeltjen: Im Durchschnitt installieren wir mindestens eine Wärmepumpe pro Woche, sowohl im Neubau als auch im Bestand. Wir könnten deutlich mehr Aufträge abwickeln, die Nachfrage ist da. Aber unsere Personalsituation setzt uns Grenzen. Da die Einbringung im Gebäudebestand deutlich aufwendiger ist als im Neubau, findet eine Heizungssanierung etwa alle zwei Wochen statt. Aktuell benötigen wir etwa eine Woche für eine Bestandsanlage.

IKZ-HAUSTECHNIK: Das Verhältnis Neubau zu Sanierung ist also in etwa gleich?

Oliver Oeltjen: Ja, das stimmt. Wobei im Neubau die Wärmepumpe klar dominiert. Im vergangenen Jahr hatten wir lediglich eine Gasbrennwertanlage im Neubau installiert. Bei der Heizungssanierung stellt sich das etwas anders dar.

Hier überwiegt die Nachfrage nach Gasbrennwertgeräten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Kundeninteresse regional unterschiedlich ausfällt. Es zeigt sich zudem, dass die Kunden zunehmend aufgeschlossener werden für die Wärmepumpe.

IKZ-HAUSTECHNIK: Mal Schritt für Schritt: Wie gehen Sie bei der Umstellung auf eine moderne Wärmepumpe vor?

Oliver Oeltjen: Ich unterscheide grundsätzlich zwischen Neubau und Bestand. Bei der Heizungssanierung wird zunächst die Bereitschaft zum generellen Wechsel auf den Energieträger Strom abgefragt. Im weiteren Verlauf werden die Möglichkeiten und Vorteile einer Wärmepumpe erläutert und Fragen dazu geklärt. Das Ganze läuft in etwa wie folgt ab:

  1. Aktive Ansprache und Aufklärung zum Thema Wärmepumpe im Beratungsgespräch, wenn die Grundvoraussetzungen im Gebäude auf den ersten Blick stimmen. Dabei wird auch die sinnvolle Ergänzung durch eine PV Anlage aufgezeigt, und deren Vorteile werden erläutert.
  2. Aufnahme der örtlichen Gegebenheiten anhand einer Checkliste. Insbesondere Aufstellort der Wärmepumpe, Stromanschluss inkl. Zählerschrank, Zuleitungen, grobe Ermittlung der Heizflächen mit Art und Umfang, Zuwegung, erforderliche Demontage vorhandener Öltanks, Ermittlung der bisherigen Energieverbräuche usw.
  3. Erstellung des Angebotes, inklusive notwendiger externer Dienstleister wie Elektriker und Öltankentsorger. Dazu gehören auch die Ermittlung des überschlägigen Heizwärmebedarfs, die Berechnung der Jahresarbeitszahl zur Abschätzung der Verbrauchskosten und eine Beschreibung des Heizkonzeptes.

IKZ-HAUSTECHNIK: Das klingt alles bis hierhin recht strukturiert.

Oliver Oeltjen: Genau – und so geht es auch weiter. Erhalten wir den Auftrag, dann geht’s ins Detail. Nun folgt die genaue Ermittlung der Heizkörperleistung und die des Heizwärmebedarfs. In Abstimmung mit dem Kunden folgt die Antragstellung an das BAFA, die wir als Service für einen Pauschalbetrag übernehmen. Nach dem Abschluss der Sanierungsmaßnahme und der Zahlung der Rechnung folgt als letzter Schritt die Erstellung aller notwendigen Unterlagen für das BAFA, u. a. der Nachweis des hydraulischen Abgleichs und die Fachunternehmererklärung.

IKZ-HAUSTECHNIK: Die Anpassung der statischen Heizflächen ist in der Regel eine der ersten und notwendigen Maßnahmen, um einen effizienten Betrieb der Wärmepumpe überhaupt zu ermöglichen. Wie sind Ihre Erfahrungen: Reicht der Platzbedarf dafür im Bestand? Und wenn nicht, welchen alternativen Weg gehen Sie?

Oliver Oeltjen: Meine Erfahrung ist: Bis auf wenige Ausnahmen reichen die Leistung und auch der Platz der vorhandenen Heizkörper meistens aus. Sämtliche Heizkörper werden im Vorfeld auf die neue Systemtemperatur 55/48 °C geprüft. Wo immer notwendig, werden einzelne Heizkörper gegen größere ausgetauscht. Bei Fußbodenheizungen prüfe ich u. a. die Oberflächentemperaturen des Bodens und teste die Regelung. Meist müssen Durchflussanzeiger an den Heizkreisverteilern nachgerüstet werden. Abhängig von der Systemtemperatur reicht normalerweise die Fläche der Fußbodenheizung aus. Ein Gespräch mit dem Betreiber zu dessen Erfahrungswerten ist sinnvoll. Bei unbekanntem Systemverhalten reichen ein Hochfahren der Anlage und ein zweiter Besuch vor Ort.

IKZ-HAUSTECHNIK: Luft/Wasser oder Sole/Wasser – welche Wärmequelle macht das Rennen?

Oliver Oeltjen: Die Luft/Wasser-Wärmepumpe wird sich durchsetzen, da bin ich sicher. Grundsätzlich aber ist die Wahl der Wärmequelle abhängig vom jeweiligen Gebäude, der erforderlichen Leistung der Geräte und den Standortfaktoren. Ab einer gewissen Leistung wird man um eine Sole/Wasser-Wärmepumpe nicht herumkommen. Im Einfamilienhausbereich dagegen ist der Unterschied der JAZ bei der Luft/Wasser-Wärmepumpe zur Soleanlage meist geringer, sodass die Wahl der Wärmequelle eher zugunsten der Luft gefällt wird.

IKZ-HAUSTECHNIK: Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen regelmäßig, und wie sehen die umgesetzten Lösungen aus – zum Beispiel bei der Sanierung von Dachzentralen?

Oliver Oeltjen: Ich sehe in der Praxis vier Herausforderungen im Gebäudebestand – insbesondere bei Dachzentralen – die es zu lösen gilt: Die Installation der Zuleitung von der Außenzur Inneneinheit, die Auswahl des geeigneten Speichers bzw. Puffers nach den Platzverhältnissen, die Prüfung der Statik und die Ertüchtigung des Stromzähleranschlusses samt der Verlegung notwendiger Elektrozuleitungen. Gegebenenfalls ist auch die Einbindung einer PV-Anlage zu berücksichtigen. Mit Knowhow lassen sich diese Herausforderungen aber problemlos meistern.

IKZ-HAUSTECHNIK: Was tun, wenn der Platz für Wärmepumpe, Puffer und Warmwasserspeicher zu knapp ist?

Oliver Oeltjen: Bei der heute zur Verfügung stehenden Technik ergeben sich eigentlich keine unlösbaren Platzprobleme. Auf dem Dachboden versuche ich die Anlagenbestandteile zu splitten. Im Heizungskeller, in der Garage oder einem Hauswirtschaftsraum können auch Kompaktgeräte zum Einsatz kommen. Die Frage des Puffers wird kontrovers gesehen. Wenn immer möglich, verzichten wir bei Heizungssanierungen im Einfamilienhaus auf die Installation eines großen Puffers. Das bedarf freilich einer guten und sauberen Planung. Dazu gehören die Betrachtung der jeweiligen hydraulischen Verhältnisse des Heizungssystems und ein guter Modulationsgrad der Wärmepumpe. Der Heizungsbauer muss beim System Wärmepumpe generell seine Hausaufgaben machen und jede Anlange sorgfältig und individuell auslegen. Für uns kein Problem, wir können Wärmepumpen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Welche Jahresarbeitszahlen erreichen Sie in der Praxis?

Oliver Oeltjen: Das hängt natürlich immer vom individuellen Gebäude und der verbauten Technik ab. JAZ › 4 sind erreichbar, allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Bei einer kürzlich erfolgten Sanierung haben wir lediglich 3 von 14 Heizkörpern ausgetauscht. Bei dem Gebäude aus den 70er-Jahren wurden aber die Fenster erneuert, eine Hohlwanddämmung durchgeführt und der Boden des Dachbodens nachträglich gedämmt. Zudem wurde eine 10kWpeak-PV-Anlage installiert. Das sind natürlich optimale Bedingungen. Angefangen haben wir dann mit der Systemtemperatur von 55/48° C. Haben allerdings festgestellt, dass diese zu hoch ist und entsprechend die Heizkurve weiter gesenkt.

Realistisch betrachtet, bewegen wir uns bei einer vernünftigen Sanierung im JAZ-Bereich zwischen 3,5 und 4,0.

IKZ-HAUSTECHNIK: Ist der Einsatz von Hybridanlagen eine Option, wenn die Vorlauftemperatur zu groß ist? Wo sehen Sie die Vorteile?

Oliver Oeltjen: Ich bin kein Freund von Hybridlösungen. Ich sehe das eher unter Marketing-Gesichtspunkten, um den leider eher konservativen Markt für die Wärmepumpe zu öffnen. Wenn man unsicher bei der Umsetzung ist, könnte es bei der ersten Anlage vielleicht eine Lösung sein, um in das Thema besser rein zu kommen. Auch kann es sich im Einzelfall ergeben, dass eine Optimierung der Heizflächen nicht ohne Weiteres möglich oder vom Auftraggeber nicht gewünscht ist, insbesondere bei Konvektoren im Fußbodenbereich. Dann kann ein z. B. gasbasierender Wärmeerzeuger als Spitzenlast in Form einer Hybridlösung sinnvoll sein. Generell aber bin ich der Meinung, dass man sich die Investitionssumme einer konventionellen zweiten Wärmequelle sparen kann, und das Geld stattdessen in die Anschaffung bzw. Erweiterung einer PV-Anlage investiert.

IKZ-HAUSTECHNIK: Abschließende Frage: Wie wichtig sind Wartung und Erfolgskontrolle beim System Wärmepumpe?

Oliver Oeltjen: Die jährliche Wartung und Kontrolle der Wärmepumpen sind wie bei jedem Heizgerät sehr wichtig. Abgesehen von der typischen, teils auch herstellergebundenen Vorgaben, z. B. Kontrolle der Dichtheit des Kältekreises, Sauberkeit der Luftführung im Bereich der Wärmetauscher bei Außengeräten oder Soledruck bei Erdwärmegeräten ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, die Programmierung der Regelung zu prüfen. Es ist relativ einfach, mit falschen Einstellwerten, vielleicht auch unwissentlich verstellt, eine Wärmepumpe unwirtschaft lich laufen zu lassen. Diese Werte gilt es jährlich zu kontrollieren. Es dient auch ein Stück weit der Selbstbestätigung, wenn sich nach einem Jahr beim Kunden herausstellt, dass die Wärmepumpenanlagen deutlich besser in der Effizienz sind, als ursprünglich mit angenommenen Werten berechnet.

Bilder: Oeltjen Haustechnik





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