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StartseiteWissenNewsSolarwärmemarkt im Wandel:
Bild: BSW-Solar4. Mai 2026
Berlin. Raumwärme und warmes Wasser machen durchschnittlich 85 % des jährlichen Energieverbrauches in deutschen Haushalten aus, schreibt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) e.V. Eine Solarthermieanlage kann gezielt zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung genutzt werden. Rund 2,5 Mio. Solarwärmeanlagen sind aktuell in Betrieb. Die IKZ hat beim BSW-Solar nachgefragt und mit Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig über die Marktentwicklung, PVT-Anlagen und Empfehlungen für SHK-Fachbetriebe gesprochen.
IKZ: Wie bewerten Sie die Marktentwicklung 2025 und wie sehen die Prognosen aus?
Carsten Körnig: Die Verkaufszahlen im Bereich Solarthermie, gemessen anhand der verkauften Kollektorfläche, sind seit einigen Jahren deutlich rückläufig. Der Bestand von gut 2,5 Millionen Solarwärmeanlagen auf deutschen Dächern ist – wenn man die nach einer mittleren Lebensdauer von 25 Jahren außer Betrieb genommenen Anlagen herausrechnet – in den letzten Jahren nicht mehr gestiegen.
Im Jahr 2025 hat es zudem eine deutliche Verschiebung innerhalb der Marktsegmente gegeben: Freiflächenanlagen, die Solarwärme in Wärmenetze einspeisen, machen inzwischen annähernd die Hälfte der verkauften Kollektorfläche aus.
Die erneute Energiekrise infolge des Iran-Krieges könnte dazu beitragen, die Solarthermie-Nachfrage zu beleben. Immerhin kann Solarwärme im großtechnischen Maßstab bereits zu Erzeugungskosten von lediglich rund 5 Cent/kWh produziert werden. Sie dürfte damit auch im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung im Mix mit anderen Wärmequellen Schule machen. Die kommunalen Wärmepläne werden nach und nach fertiggestellt. Solarthermie als brennstofffreie und äußerst preisstabile Technologie erfreut sich dabei wachsender Beliebtheit.
Ob eine Wiederbelebung der Solarthermie-Nachfrage für die Raumwärme im Gebäudesektor gelingen wird, dürfte entscheidend von der technologieoffenen Ausgestaltung des Gebäudemodernisierungsgesetzes abhängen.
Die jüngste Energiekrise könnte auch einen Weckruf für die solare Prozesswärme darstellen: Solarthermieanlagen stellen Wärme bis 400 °C bereit und können damit niedrige bis mittlere Temperaturbereiche abdecken, auf den rund 50 % des industriellen Wärmebedarfs entfällt. Je nach Temperaturniveau stehen unterschiedliche Technologien zur Prozesswärme- und Dampfbereitstellung zur Verfügung.
IKZ: Welche Rolle spielen PVT-Anlagen in diesem Kontext und sind sie in den veröffentlichten Marktzahlen bereits enthalten?
Carsten Körnig: Nein, die Zahlen sind hier nicht enthalten. PVT ist zwar bislang noch eine Nischentechnologie; ihre große Zeit könnte jedoch noch bevorstehen. So ist sie insbesondere für dicht besiedelte, urbane Räume eine geeignete Lösung. In Verbindung mit einer Wärmepumpe ersetzen PVT-Kollektoren die Außeneinheit der Wärmepumpe. Bei Reihenhäusern und engen Hinterhöfen ist dies ein unschlagbarer Vorteil. Gleiches gilt für den mehrgeschossigen Wohnungsbau und natürlich auch Bürogebäude. Etliche Unternehmen, die bisher im Bereich Solarthermie und/oder PV aktiv sind, haben mittlerweile PVT in ihr Sortiment aufgenommen. Teilweise gibt es in diesem Bereich auch interessante Joint Ventures mit der Automobilzulieferindustrie.
IKZ: Welche Empfehlung haben Sie vor diesem Hintergrund für die Fachbetriebe im SHK-Handwerk?
Carsten Körnig: SHK-Handwerksunternehmen sollten ihre Fachkräfte unbedingt im Bereich Solarthermie aus- und weiterbilden. Ein gut installiertes und gewartetes Solarthermie-System spart 25 Jahre lang Brennstoff und kann mit zahlreichen anderen Energietechnologien kombiniert werden.
Dies gilt auch für die neue Leittechnologie Wärmepumpe. Diese kann den ganzen Sommer ausgeschaltet bleiben, während die Solarthermie das warme Wasser erzeugt. Übrigens kann eine ausreichend dimensionierte Solarthermieanlage durch den starken Einspareffekt bei Brennstoffen, eine günstige Alternative (oder auch Ergänzung) zu einer energetischen Gebäudesanierung sein. Unserer Erfahrung nach verkaufen Betriebe, die beispielsweise eng mit Kollektorherstellern zusammenarbeiten, sehr vielen Kunden eine Solarthermieanlage zu ihrer Wärmepumpe, Pellet- oder Gasheizung.
www.solarwirtschaft.de/unsere-themen/solarthermie/
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