Lieber Gast, um alle Inhalte sehen zu können, müssen Sie angemeldet sein! Jetzt registrieren oder einloggen.
StartseiteWissenProdukteKI am Telefon: vom Anruf zum Termin
Bild: AdobeStock- KI -Margo_Alexa29. Oktober 2026
Teil 1 dieser Serie hat den rechtlichen Rahmen geklärt, Teil 2 gezeigt, wie ein KI-Telefonassistent Anrufe annimmt, Notfälle erkennt und sauber übergibt.1) Damit endet der Nutzen aber nicht. Der eigentliche Hebel entsteht danach, wenn das Gespräch nicht als Notiz liegen bleibt, sondern sich mit den übrigen Abläufen im Betrieb verbindet. Dieser dritte Teil zeigt, was sich an den KI-Assistenten anknüpfen lässt und wie aus einer Einzellösung ein zusammenhängendes System wird.
Rückblick: In Teil 2 endete der Anruf mit einer strukturierten Zusammenfassung. Bleibt sie eine Nachricht, die jemand später von Hand in die Software überträgt, ist der halbe Nutzen verschenkt. Verbindet man den KI-Assistenten dagegen direkt mit der Handwerkersoftware, entsteht aus dem Anruf sofort ein Vorgang: ein neuer Kunde, eine Anfrage oder ein Auftrag, der die erfassten Angaben bereits enthält. Der Mensch prüft und ergänzt, statt alles neu einzutippen. Aus der Übergabe wird so eine echte Weiterverarbeitung, und eine der häufigsten Fehlerquellen, das doppelte Erfassen, fällt weg.
Richtig stark wird der Assistent, wenn man ihn mit dem Wissen des eigenen Betriebs ausstattet. Hinterlegt man etwa Öffnungszeiten, Einzugsgebiet, betreute Marken und Anlagen, typische Abläufe oder häufige Fragen, kann der Assistent viele Routinefragen selbst beantworten, statt für jede Kleinigkeit einen Rückruf zu erzeugen. Der Anrufer erfährt sofort, ob sein Ort im Einzugsgebiet liegt oder ob der Betrieb seine Anlage überhaupt betreut, und das Büro wird nur noch mit den Fällen behelligt, die wirklich eine Antwort vom Menschen brauchen. So verschiebt sich die Arbeit von der ständigen Auskunft hin zur eigentlichen Leistung.
Ein Kunde ruft an, weil seine Gastherme nicht mehr heizt. Der Assistent gibt sich als KI zu erkennen, erkennt anhand der hinterlegten Angaben, dass der Ort im Einzugsgebiet liegt und der Betrieb die Marke betreut, nimmt das Anliegen auf und schlägt einen freien Termin vor. Im selben Moment entsteht in der Handwerkersoftware ein Vorgang, der Kunde bekommt eine Bestätigung und am Vortag eine Erinnerung. Nach der Reparatur folgt automatisch die Bitte um eine Bewertung, und für die jährliche Wartung ist bereits eine Wiedervorlage angelegt. Niemand im Büro hat etwas doppelt erfasst, und trotzdem ist jeder Schritt dokumentiert.
Klingt gut, doch wie richte ich so ein System überhaupt ein? In der Praxis ist die größte Hürde nicht die KI, sondern die gewachsene Softwarelandschaft. Viele Branchenprogramme sind geschlossen und bieten keine offene Schnittstelle. Dann ist eine direkte Anbindung nur über Umwege möglich, etwa über eine strukturierte Übergabe per Datei oder E-Mail, die sich weiterverarbeiten lässt. Das ist weniger elegant, bringt den Betrieb aber demselben Ziel näher, eine Information nur einmal erfassen zu müssen. Wer ohnehin über einen Systemwechsel nachdenkt, sollte offene Schnittstellen von vornherein zum Auswahlkriterium machen.
Der Weg dorthin führt nicht über ein Großprojekt, sondern über einen Baustein nach dem anderen. Man verbindet zuerst den Schritt, der heute die meiste Handarbeit kostet, lässt ihn einige Wochen laufen und knüpft dann den nächsten an. So bleibt das Vorhaben überschaubar, jeder Schritt trägt sich durch seinen Nutzen, und der Betrieb behält die Kontrolle darüber, was automatisch läuft und was eine Freigabe braucht.
Nicht jeder Schritt gehört automatisiert. Wo Erfahrung oder eine fachliche Entscheidung gefragt sind, bleibt der Mensch am Zug, und automatisch angelegte Vorgänge sollten stichprobenartig geprüft werden. Sobald Systeme Kundendaten austauschen, gelten dieselben Sorgfaltsregeln wie in den ersten beiden Teilen bereits genannt: ein Serverstandort in der EU, ein Auftragsverarbeitungsvertrag und der offene Hinweis, dass eine KI antwortet. Ein verbundenes System soll den Betrieb entlasten, nicht ihm die Kontrolle nehmen.
Vor dem Anknüpfen lohnt es, vier Fragen zu klären.
Autor: Adrian Groth, Fachinformatiker und Gründer von Groth Automation in Berlin. Er begleitet SHK-Betriebe beim praktischen Einsatz von KI, von der Telefonie über Automatisierung bis zur Wissenssicherung.
grothautomation.de
1) Siehe Berichte „KI am Telefon: neue Pflichten für Betriebe“ (IKZ 8-2026), „KI am Telefon: Kein Anruf geht mehr verloren“ (IKZ 9-2026) oder auch auf www.ikz.de
Verwandte Artikel
Nachhaltige Unternehmensführung: Online-Check ordnet ein 26. Januar 2024
Gestörte Bauabläufe erkennen und richtig handeln 24. März 2026
Bloß keinen Stillstand im Datenfluss 26. Februar 2025
Chefaufgabe: Aktuelle Monatszahlen auswerten (Teil 3) 7. Juni 2024
Digitale Notfallakte: Gut vorbereitet für den Notfall 11. Mai 2023
Ökologie und Nachhaltigkeit im Einklang 17. Mai 2022
Digitaler Wandel im Handwerk – Teil 2: Betriebsorganisation 24. Januar 2018
Ausgewählte Inhalte
Leistungsgarantie
Datensicherheit